Sarahlou Wagner-Lapierre

Sarahlou Wagner-Lapierre

Doctoral Fellow

Zeitraum: April 2025-Juli 2025, September 2026-Juli 2027

Forschungsprojekt: Adornos Lebensbegriff

Email: sarahlou.wagner-lapierre@umontreal.ca

Website

Sarahlou Wagner-Lapierre ist Doktorandin an der Université de Montréal unter der Betreuung von Iain Macdonald. Ihre Dissertation befasst sich mit dem Lebensbegriff Adornos und ihre Masterarbeit (2021) widmete sich der Vorstellungskraft in Adornos Werk. Ihre Doktorarbeit wird vom SSHRC (Kanada) und dem FRQ (Quebec) gefördert, und ihr Aufenthalt in Potsdam wird vom DAAD unterstützt. Sie hat zudem einen Master-Abschluss in Architektur und beschäftigte sich in ihren früheren Forschungsarbeiten mit kritischen Ansätzen in Architektur und Stadtplanung im Rahmen von Kooperationsprojekten mit NGOs (z. B. Architecture without Borders Quebec), wobei sie sich auf die Lebensbedingungen von Menschen mit prekären Wohnverhältnissen konzentrierte.

Forschungsprojekt

Adornos Lebensbegriff

Meine Dissertation befasst sich mit Theodor W. Adornos Lebensbegriff. Dieser Begriff zieht sich durch sein gesamtes Werk, von seiner ersten Habilitationsschrift aus dem Jahr 1927 bis hin zu seinen letzten, 1969 unvollendet gebliebenen Arbeiten zur Ästhetik. Der Lebensbegriff wirft viele Probleme auf, da Adornos Ansätze vielfältig sind und auf den ersten Blick nicht unbedingt miteinander vereinbar erscheinen. Einerseits lehnt Adorno „Leben“ und „Organismus“ als geeignete Modelle ab, um die Beziehung zwischen einem Ganzen und seinen Teilen zu verstehen, die soziale Ontologie zu beschreiben und das historische Werden zu erfassen. Andererseits schlägt Adorno ein modifiziertes Konzept des „Lebens“ vor, das auf seiner Kritik am Leben in der Tradition der deutschen Idealisten im weitesten Sinne – von Kant bis Hegel – aufbaut. Diese Neubewertung des idealistischen Lebensbegriffs wird erreicht, indem nicht nur die gegenwärtige soziale Verstümmelung des Lebens betont wird, sondern auch die Kluft zwischen dieser verstümmelten Lebensform und dem „Versprechen“ des Lebens, das er als „versöhntes Leben“ bezeichnet. Ziel dieses Projekts ist es, Adornos Versuch zu verstehen, den Lebensbegriff aus idealistischen Konzeptionen, insbesondere denen von Kant und Hegel, zu retten. Das Projekt untersucht zudem, warum er das Leben unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen als „beschädigt“ beschreibt, während er vitalistische und funktionalistische Konzepte des gesellschaftlichen Lebens ablehnt. Schließlich wendet es sich der Frage zu, inwiefern Adornos Lebensbegriff in mancher Hinsicht mit Marx’ Ansichten zu diesem Thema übereinstimmt und in anderer Hinsicht nicht.