Liam Egan ist Doktorand im Fach Vergleichende Literaturwissenschaft an der Princeton University. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kant und die Rezeption von Kants kritischer Philosophie im deutschen Idealismus und in der deutschen Romantik.
Liam Egan
Doktorand
Zeitraum: September 2026 – Mai 2027
Forschungsprojekt: Das Genie im Zeitalter Kants: Ästhetische Ideen, Selbstkonstitution und die Autarkie der Vernunft
Email: legan@princeton.edu
Forschungsprojekt
Das Genie im Zeitalter Kants: Ästhetische Ideen, Selbstkonstitution und die Autarkie der Vernunft
Meine Dissertation befasst sich mit der Darstellung der bildenden Kunst und des Genies in Kants „Kritik der Urteilskraft“ von 1790 sowie mit der Rezeption und Weiterentwicklung dieser Darstellung durch postkantische Denker im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. Indem Kant in den einleitenden Abschnitten der dritten Kritik die Nicht-Begrifflichkeit der Schönheit postuliert, führt er eine Form der nicht-diskursiven Verständlichkeit in seine Philosophie ein, deren Existenz weitreichende Implikationen für das kritische Projekt hat. In erster Linie revidiert die Nicht-Begrifflichkeit der Schönheit, wie sie im Geschmacksurteil zum Ausdruck kommt, die in der Transzendentalen Deduktion der Kategorien vorgebrachte Behauptung, dass „ein Urteil nichts anderes ist als die Art und Weise, gegebene Erkenntnisse zur objektiven Einheit der Apperzeption zu bringen“. Und wenn Kant weiter argumentiert, dass derselbe nicht-diskursive Geisteszustand, der dem Geschmacksurteil zugrunde liegt, auch der produktiven Tätigkeit des künstlerischen Genies zugrunde liegt, lässt er in die kritische Philosophie eine Art sich selbst konstituierender praktischer Tätigkeit ein, die weder streng moralisch noch rein instrumentell, sondern ästhetisch ist. Die kantische Darstellung des künstlerischen Genies steht somit an der Schnittstelle einer Vielzahl von Themen, die später sowohl die postkantischen Idealisten als auch die deutschen Romantiker beschäftigen sollten: diskursive Verständlichkeit und ihre Grenzen, praktische Selbstkonstitution, der umstrittene philosophische Status der bildenden Kunst und die Autarkie der Vernunft – also die Fähigkeit der menschlichen Vernunft, sich in der materiellen Welt zu verwirklichen.