Fines Hominis Lecture Fines Hominis Lecture

BALIBAR: TOWARDS A NEW FOUNDATION FOR PHILOSOPHICAL ANTHROPOLOGY

Relation, Difference, Transindividuality

18.-20. April 2024 Universität Potsdam
Haus 11, Raum 0.09

Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam

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FINES HOMINIS LECTURE „TOWARDS A NEW FOUNDATION FOR PHILOSOPHICAL ANTHROPOLOGY“, UNIVERSITÄT POTSDAM (18. APRIL 2024, 16-18h)

Die philosophische Anthropologie, die sowohl von ihren Befürwortern als auch von ihren Gegnern manchmal mit einem theoretischen Humanismus verwechselt wird, war im 20. Jahrhundert zwischen naturalistischen und historisierenden Tendenzen hin- und hergerissen. Jahrhundert zwischen naturalistischen und historisierenden Tendenzen hin- und hergerissen. Sie hat sich zwischen essenzialistischen und existenzialistischen Definitionen ihres Gegenstands entwickelt, mit erheblichen Auswirkungen auf ethische und politische Anwendungen. Dieser Vortrag wird behaupten, dass eine Verschiebung stattgefunden hat, zu der er auch beizutragen versucht, die den „Menschen“ als ein bewegliches und unvollkommenes System von Beziehungen charakterisiert, sowohl objektiv (oder institutionell) als auch subjektiv (oder erlebt), intern und extern; eine Verschiebung, durch die Unterschiede innerhalb des Menschen kenntlich werden, die zu Konflikten in der Gesellschaft führen; eine Verschiebung, die evolutionäre Beziehungen zu anderen Arten in den Blick rückt, die sich auf die gemeinsame Nutzung der Umwelt auswirken. Wie kann man diese rätselhafte Komplexität benennen, darstellen, konzeptualisieren?

FINES HOMINIS WORKSHOP „TOWARDS A NEW FOUNDATION FOR PHILOSOPHICAL ANTHROPOLOGY“ (19. APRIL, 10-13h)

Die Diskussion der Fines Hominis Lecture wird am Folgetag bei einem Workshop fortgesetzt. Textgrundlage des Workshops sind neben dem Vortrag die folgenden Texte: „Bourgeois Universality and Anthropological Differences“, in: Citizen-Subject (New York: Fordham, 2016) und „Human Species as Biopolitical Concept“, in: Radical Philosophy 2.11/Winter 2021.

VORTRAG „ANTHROPOLOGICAL DIFFERENCES: HOW DO THEY COMPARE? HOW DO THEY INTERSECT? A PHILOSOPHICAL INQUIRY“, HAU Berlin (20. April 18-22h)

Geschlecht, Race, geistige und körperliche Gesundheit, aber auch Alter und Intelligenz können als anthropologische Differenzen bezeichnet werden. Denn sie werden als Seinsweisen des Menschen wahrgenommen, enthalten aber gegensätzliche Bestimmungen des Menschlichen. Sie werden gesellschaftlich, historisch und kulturell konstruiert, sind von Herrschaftsverhältnissen durchzogen und von Ideologien geprägt. Daher sind sie immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen, Widerständen und Überschreitungen. Kritische Theorien der Gegenwart verweisen darauf, dass sich diese Differenzen nie sauber voneinander abgrenzen lassen und versuchen, sie in der Konstruktion von Identitäten und kollektiver Handlungsfähigkeit zu verknüpfen. Intersektionalität ist dafür vielleicht das einflussreichste Modell. Der Philosoph Étienne Balibar diskutiert dieses Modell auf Grundlage einer Untersuchung dessen, was anthropologische Differenzen zugleich miteinander vergleichbar und nicht aufeinander rückführbar macht.

Partner

Die beiden Vorträge und der Workshop finden als eine Kooperation des Center for Post-Kantian Philosophy der Universität Potsdam mit dem Institut für Europäische Ethnologie und dem Berliner Institut für Migrationsforschung (BIM) der Humboldt-Universität zu Berlin sowie mit dem Theater Hebbel am Ufer (HAU) statt.

VORLESUNGSREIHE "FINES HOMINIS"

Aber wer, wir?

Derrida, Fines Hominis

 

Die Vortragsreihe Die Enden des Menschen fragt nach der Rolle der philosophischen Anthropologie im gegenwärtigen Denken. Die Situation ist zweideutig: auf der einen Seite steht eine vertiefte Kritik am Anthropozentrismus in der Philosophie, die verschiedene posthumanistische Vorhaben motiviert hat. Die Zentrierung auf den anthropos sieht sich dem Verdacht ausgesetzt, mit einer Verkürzung und Herabsetzung des Nicht-Menschlichen einherzugehen und gleichzeitig mit einer uneingestandenen Verengung und hegemonialen Bestimmung des Menschlichen selbst. Die krisenhaften Entwicklungen, die unter dem ironischen Titel „Anthropozän“ diskutiert werden, gelten als Beleg, dass ein am anthropos ausgerichtetes Bild einhergeht mit einer auf desaströse Weise verfehlten Bestimmung des Verhältnisses von Mensch und Mensch, Mensch und Tier, Subjekt und Ding, Geist und Welt. Der Mensch schreitet nach dieser Diagnose entweder unwillentlich seiner eigenen Auslöschung entgegen oder findet endlich Wege sich selbst zu überwinden. Auf der anderen Seite seht ein nicht minder starkes, neu erwachtes Interesse an der philosophischen Anthropologie in der Philosophie des Geistes, das darauf zielt, den verkörperten, endlichen, sozialen und historischen Charakter des Geistes auf neue Weise zu erschließen. Die philosophische Anthropologie selbst also soll es uns erlauben, ein verkürztes mentalistisches, intellektualistisches, solipsistisches und ahistorisches Bild des Geistes zu überwinden und das Verhältnis von Mensch und Mensch, Mensch und Tier, Subjekt und Ding, Geist und Welt anders zu bestimmen.

Die Zweideutigkeit bleibt den beiden Seiten – dem Posthumanismus einerseits und der neuen philosophischen Anthropologie andererseits – nicht äußerlich, sondern betrifft sie beide innerlich. Ist der Posthumanismus, der den Menschen zu überschreiten beansprucht, nicht immer noch eine Form von Anthropologie – gebunden an die Besonderheit eben jenes Tiers, das sich selbst zu überschreiten vermag, und gerichtet an das Wir einer menschlichen Gemeinschaft, die sich selbst verwandeln soll? Zielt umgekehrt die neue philosophische Anthropologie nicht umgekehrt darauf, ein bestimmtes dominantes Bild des Menschen zu überwinden und über eine abstrakte und hegemoniale Weise, nach ihm zu fragen und sich an ihn zu richten, gerade hinauszugelangen?

Die Vortragsreihe versammelt wichtige Stimmen aus der internationalen Diskussion, die den Sinn der Verabschiedung wie der Erneuerung, der Kritik wie der Neubegründung der philosophischen Anthropologie befragen. Sie fragen auf ihre je eigene Weise danach, wie wir uns selbst durch die posthumanistische Kritik und die anthropologische Renaissance verstehen, und wer dies ist: wir.